16. Februar 2025 · Priorität

Ziele sind nur Worthülsen – was will ich wirklich?

„Wachstum“, „Marktführerschaft“, „innovativ sein“ – auf dem Papier klingen die Ziele gut, aber sie fühlen sich nicht konkret an. Es fehlt die Übersetzung in persönliche Ziele, Lebensqualität, Gesundheit und freie Zeiteinteilung.

Was ist los?

In Strategiepapieren, Pitches oder Bankgesprächen stehen klar formulierte Ziele. Doch im Alltag fehlt die Verbindung zu dem, was der Eigentümer:in wirklich wichtig ist: Wie soll der Alltag aussehen, welche Rolle möchte ich spielen, wie viel Risiko ist akzeptabel, wie wichtig sind Gesundheit, Familie und freie Zeiteinteilung im Vergleich zu „mehr Umsatz“? Oft werden Ziele von außen übernommen – von Vorbildern, Berater:innen, Branchenlogiken.

Symptome & Folgen

  • Ziele sind abstrakt („wachsen“, „besser werden“), aber kaum messbar oder fühlbar Schwierige Ableitung von Prioritäten und Entscheidungen
  • Unternehmer:in ist erfolgreich – aber nicht unbedingt zufrieden Gefühl, das eigene Leben zu wenig zu gestalten
  • Ziele stammen stark aus externer Erwartung (Branche, Umfeld, Familie) Innere Reibung, „falsche“ Vergleichsmaßstäbe
  • Lebensqualität, Gesundheit und freie Zeit sind nicht explizit im Zielbild Dauerhafte Überlastung wird „normalisiert“
  • Team kennt Unternehmensziele, aber nicht die dahinterliegende persönliche Intention Weniger Identifikation, mehr Missverständnisse in Entscheidungen
  • Schwierigkeiten, „Nein“ zu sagen Zu viele Projekte, zu wenig Tiefe in den wichtigen Themen

Warum passiert das?

Ziele werden oft aus formalen Anforderungen heraus formuliert: Businessplan, Bank, Förderstelle, Strategie-Workshop. Der eigene Kompass – was ein gutes Leben und eine stimmige Rolle als Unternehmer:in bedeutet – wird dabei oft nur am Rand mitgedacht. Dazu kommt, dass es herausfordernd ist, Wünsche wie Lebensqualität, Gesundheit und freie Zeiteinteilung in konkrete, umsetzbare Ziele zu übersetzen.

Typische Ursachen

  • Externe Erwartungen: Ziele orientieren sich stark an dem, „was man halt so macht“
  • Unklarer persönlicher Kompass: Eigene Prioritäten (Zeit, Geld, Wirkung, Gesundheit) sind nicht bewusst gewichtet
  • Übersetzungsproblem: Schwierigkeit, Lebensziele in Unternehmensziele und konkrete Kennzahlen zu übersetzen
  • Tempo: Kaum geschützte Zeit, um sich mit diesen Fragen in Ruhe auseinanderzusetzen

Was ist zu tun?

Am Anfang steht die Klärung: Was ist mir wirklich wichtig, als Mensch und als Unternehmer:in? Erst dann entsteht ein Zielbild, das sowohl wirtschaftliche Aspekte als auch Lebensqualität, Gesundheit und Freiheitsgrade integriert. Dieses Bild kann dann in konkrete Unternehmensziele, Kennzahlen und Prioritäten übersetzt werden.

  1. Reflexion
    Persönliche Prioritäten klären: Zeit, Geld, Wirkung, Gesundheit, Beziehungen, Freiheitsgrade
    Woche 1–2
  2. Zielbild
    Konkretes Bild für die nächsten 3–5 Jahre entwickeln – beruflich und privat
    Woche 3–4
  3. Übersetzung
    Unternehmensziele, Kennzahlen und Prioritäten aus dem Zielbild ableiten und mit dem Team teilen
    Woche 5–10

Aufgaben

  • Persönliche Werte & Prioritäten schriftlich festhalten (z.B. Top 5, mit kurzer Beschreibung)
  • Lebens- & Unternehmensbild für einen konkreten Zeitpunkt in der Zukunft skizzieren (z.B. in 3 Jahren)
  • Abgleich mit bestehenden Zielen: Was passt dazu, was ist eher „geliehen“ oder von außen übernommen?
  • Konkrete Zielgrößen definieren (z.B. Arbeitszeit, Erholungsphasen, Einkommensziele, Verantwortungsumfang)
  • Unternehmensziele so formulieren, dass sie mit diesem Bild konsistent sind (nicht nur Umsatz/Kennzahlen)
  • Regelmäßige Reflexion einplanen (1–2x pro Jahr), um Zielbild und Realität zu vergleichen und nachzuschärfen