11. März 2025 · Priorität

Firmenstruktur passt nicht (mehr) zur Situation

Umsatz und Volumen sind deutlich gewachsen, doch die bestehende Rechts- und Firmenstruktur stammt aus einer früheren Phase. Steuern drücken, private Haftung ist hoch, Unternehmensgegenstände und Beteiligungen sind historisch gewachsen statt strategisch aufgebaut.

Was ist los?

Das Unternehmen hat sich weiterentwickelt: mehr Umsatz, mehr Mitarbeitende, neue Geschäftsfelder, Beteiligungen oder Immobilien. Trotzdem laufen viele Aktivitäten noch über dieselbe Rechtsform oder dieselbe Gesellschaft wie zu Beginn. Private Haftung ist hoch, Steuern werden als belastend empfunden, und es ist unklar, ob die aktuelle Struktur für die nächsten Jahre überhaupt noch richtig ist.

Symptome & Folgen

  • Hohe persönliche Haftung (z.B. als Einzelunternehmer:in) Privatvermögen ist bei Problemen des Betriebs stark gefährdet
  • Mehrere Geschäftszweige in einer Gesellschaft vermischt Unübersichtliche Zahlen, schwerer steuerlicher und rechtlicher Zuschnitt
  • Beteiligungen, Immobilien oder Nebenprojekte ohne klare Struktur Schwierige Trennung bei Verkauf, Einstieg oder Nachfolge
  • Steuerbelastung wird als „zu hoch“ empfunden Gefühl, „für den Staat zu arbeiten“, Demotivation bei Wachstum
  • Rechtsformen und Verträge historisch gewachsen Kein abgestimmtes Gesamtbild, viele Ausnahmen und Sonderlösungen
  • Nachfolge- oder Verkaufsfragen kaum durchdacht Hoher Aufwand, wenn Übergabe oder Verkauf plötzlich aktuell werden

Warum passiert das?

Rechts- und Firmenstrukturen werden oft in einer frühen Phase einmalig festgelegt – und dann nur punktuell angepasst. Mit wachsendem Umsatz, neuen Geschäftsfeldern und Beteiligungen wird aber ein anderes Setup sinnvoll: Trennung von Risiken, klare Zuordnung von Aktivitäten, andere Besteuerung, Schutz des Privatvermögens. Viele Unternehmer:innen empfinden das Thema als komplex und verschieben Entscheidungen, bis der Druck groß wird.

Typische Ursachen

  • Historie: Struktur stammt aus Gründungsphase, Anpassungen nur anlassbezogen (z.B. neue UID, neuer Unternehmensgegenstand)
  • Transparenz: Wenig Klarheit, welche Optionen (z.B. verschiedene Gesellschaftsformen, Holdings, Trennung von Vermögen) realistisch sind
  • Steuern & Recht: Entscheidungen werden stark aus Steuerperspektive getroffen, weniger aus Risiko- und Strategieperspektive
  • Prioritäten: Operatives Tagesgeschäft geht vor, Strukturthemen werden aufgeschoben

Was ist zu tun?

Es braucht einen strukturierten Blick auf die Gesamtsituation: Umsatz, Risiken, Vermögenswerte, geplante Entwicklungen und persönliche Ziele. Darauf aufbauend lässt sich eine passende Struktur für die nächsten Jahre entwickeln – inklusive konkreter Schritte in Richtung rechtlicher Anpassungen mit Steuer- und Rechtspartner:innen.

  1. Analyse
    Ist-Struktur erfassen: Rechtsformen, Beteiligungen, Vermögenswerte, Risiken, Haftungen
    Woche 1–2
  2. Plan
    Zielbild entwickeln: welche Gesellschaften, welche Trennlinien, welche Rolle für Eigentümer:in?
    Woche 3–5
  3. Umsetzung
    Mit Steuerberatung und Rechtsanwält:innen Struktur umbauen, Schrittfolge und Timing festlegen
    Monat 2–12

Aufgaben

  • Struktur-Landkarte zeichnen: welche Firmen, Projekte, Beteiligungen und Immobilien gibt es heute?
  • Risikopunkte markieren: wo haftet wer, mit welchem Vermögen, für welche Risiken?
  • Zielbild für die nächsten 5–10 Jahre formulieren (Wachstum, Verkauf, Nachfolge, Vermögensaufbau)
  • Optionen mit Steuer- und Rechtspartner:innen durchspielen (z.B. andere Rechtsformen, Trennung von Geschäftsbereichen, Holding-Strukturen)
  • Priorisierte Maßnahmenliste erstellen (kurzfristig, mittelfristig, langfristig) mit groben Aufwandsschätzungen
  • Review-Rhythmus definieren: Struktur alle 2–3 Jahre bewusst gegen Ziele und Rahmenbedingungen prüfen