29. März 2025 · Enablement

Verhandlungsgeschick fehlt – wie aufbauen?

Ob Banken, Kund:innen, Lieferanten oder Partner: Verhandlungen entscheiden über Konditionen, Risiken und Freiraum. Viele Unternehmer:innen fühlen sich in diesen Situationen unsicher – und wünschen sich ein strukturiertes Training statt „Try & Error“.

Was ist los?

In Gesprächen mit Bank, wichtigen Kund:innen, Lieferanten oder Partnern entsteht oft das Gefühl: „Ich hätte mehr herausholen können“ oder „Ich war zu hart / zu weich“. Es fehlt ein klares Vorgehen: Welche Ziele habe ich, wo liegen meine Grenzen, wie tickt die Gegenseite, welche Alternativen habe ich? Verhandlungssituationen werden eher „überstanden“ als aktiv gestaltet.

Symptome & Folgen

  • Unsicherheit vor wichtigen Gesprächen mit Banken oder Großkund:innen Schlaflose Nächte, Entscheidungsdruck
  • Gefühl, zu schnell nachzugeben Unvorteilhafte Konditionen bei Preis, Laufzeit, Sicherheiten
  • Manchmal zu konfrontativ – Beziehung leidet Gute Partner:innen ziehen sich zurück oder blocken
  • Keine klare Vorbereitungslinie Viele spontane Entscheidungen am Tisch
  • Kaum systematisches Lernen aus vergangenen Verhandlungen Muster wiederholen sich, Fortschritt bleibt gering
  • Abhängigkeit von „Bauchgefühl“ statt strukturiertem Vorgehen Ergebnisqualität schwankt stark

Warum passiert das?

Verhandlungskompetenz ist selten Teil der formalen Ausbildung. Viele Unternehmer:innen sind fachlich stark, aber nicht systematisch in Verhandlung geschult. Gleichzeitig sind Banken, Großkund:innen oder Lieferanten oft professionell vorbereitet. Ohne eigene Struktur, Sprache und Erfahrung entsteht ein Ungleichgewicht – und die andere Seite setzt den Rahmen.

Typische Ursachen

  • Fehlendes Training: Verhandeln wird „on the job“ gelernt, ohne Reflexion und Sparring
  • Wissenslücken: Wenig Einblick, wie Banken, Kund:innen oder Lieferanten intern denken
  • Keine Toolbox: Kaum bekannte Taktiken, Strukturen oder Formulierungen für schwierige Punkte
  • Rollenbild: Verhandlungen werden als Kampf oder Bittstellung erlebt, nicht als gemeinsames Lösen eines wirtschaftlichen Problems

Was ist zu tun?

Verhandlungsgeschick lässt sich aufbauen – wie jede andere Fähigkeit. Entscheidend sind ein klares Vorgehensmodell, ein Set an Fragen und Werkzeugen und die Möglichkeit, wichtige Verhandlungen vorzubereiten, zu simulieren und nachzubereiten. So wächst Sicherheit und Wirkung von Gespräch zu Gespräch.

  1. Analyse
    Typische Verhandlungssituationen sammeln und vergangene Gespräche reflektieren
    Woche 1–2
  2. Plan
    Struktur, Fragen und No-Gos definieren, Verhandlungs-Toolbox aufbauen
    Woche 3–4
  3. Umsetzung
    Konkrete Verhandlungen vorbereiten, mit Sparringspartner:innen üben und systematisch nachbereiten
    Woche 5–12

Aufgaben

  • Verhandlungsfälle auflisten (Bank, Kund:innen, Lieferanten, Partner) und nach Wichtigkeit sortieren
  • Standard-Vorbereitungsbogen erstellen (Ziele, Grenzen, Alternativen, Motive der Gegenseite)
  • No-Gos & rote Linien klar definieren und schriftlich festhalten
  • Sparring mit einer neutralen Person einführen (Rollenspiele, Szenarien, Formulierungen testen)
  • Nachbereitungs-Log führen: Was hat funktioniert, wo habe ich zu früh nachgegeben, was nehme ich mit?
  • Eigene Toolbox (Checklisten, Fragen, Formulierungen) laufend ergänzen und mit dem Team teilen