09. April 2025 · Enablement

Rechtsformen für Unternehmen – aber was nehmen?

EPU, OG, KG, GmbH, GmbH & Co KG, Verein, Stiftung – die Varianten sind zahlreich. Doch welche Rechtsform passt zu welchem Geschäftsmodell, zu Haftungsbereitschaft, Bürokratieaufwand, Steuer- und Reportingpflichten?

Was ist los?

Die aktuelle Rechtsform stammt oft aus der Gründungsphase oder einem Zufallsmoment („damals war das halt so üblich“). Inzwischen haben sich Umsatz, Team, Risiken und Ziele verändert. Gleichzeitig kursieren viele Meinungen, welche Rechtsform „steuerlich am besten“ sei – ohne die Gesamtwirkung auf Haftung, Verantwortung, Reporting und Gestaltungsmöglichkeiten zu betrachten.

Symptome & Folgen

  • Unsicherheit, ob die aktuelle Rechtsform noch passt Wichtige Entscheidungen (Investitionen, Beteiligungen, Nachfolge) werden aufgeschoben
  • Fokus auf „Steuersparen“ statt auf Risiko, Steuerbarkeit und Klarheit Komplexe Konstrukte ohne echten strategischen Mehrwert
  • Verständnislücken bei Haftung und persönlichen Sicherheiten Privatvermögen wird unnötig in Anspruch genommen
  • Bürokratieaufwand wird als Last erlebt Abwehrhaltung gegenüber notwendigen Anpassungen
  • Steuerberater:in erklärt Vor- und Nachteile, aber das Gesamtbild fühlt sich trotzdem unklar an Entscheidungen bleiben vertagt oder halbherzig
  • Reportingpflichten und Publizität sind nicht bewusst in die Abwägung einbezogen Überraschungen bei Offenlegung und Dokumentation

Warum passiert das?

Rechtsformen sind juristisch und steuerlich komplex. Beratungsgespräche sind oft fachsprachlich, und Unternehmer:innen erhalten Listen von Vor- und Nachteilen, aber selten ein klares Entscheidungsbild bezogen auf ihre konkrete Situation und Zukunftspläne. Gleichzeitig ist der Wechsel der Rechtsform mit Aufwand verbunden – was zusätzlich hemmt.

Typische Ursachen

  • Komplexität: Viele Parameter (Haftung, Steuern, Bürokratie, Reporting, Governance) müssen zusammengedacht werden
  • Kommunikation: Fachliche Erklärung ohne ausreichende Übersetzung in unternehmerische Entscheidungslogik
  • Wechselbarriere: Sorge vor Aufwand, Kosten und Risiken eines Umstiegs
  • Fokus: Einseitiger Blick auf Steueroptimierung statt auf Gesamtbild aus Risiko, Flexibilität und Zukunft

Was ist zu tun?

Statt von der Rechtsform her zu denken, sollte von Zielen, Risiken und gewünschter Rolle der Eigentümer:in ausgegangen werden. Daraus lässt sich mit Steuer- und Rechtspartner:innen eine oder wenige passende Varianten ableiten – mit klaren Kriterien, warum eine Form geeignet oder nicht mehr geeignet ist.

  1. Analyse
    Aktuelle Struktur, Haftungen, Sicherheiten und Ziele erfassen
    Woche 1–2
  2. Plan
    Zielkriterien für Rechtsform definieren (Haftung, Bürokratie, Steuern, Reporting, Wachstum, Nachfolge)
    Woche 3–4
  3. Umsetzung
    Mit Steuer- und Rechtspartner:innen 2–3 Varianten durchspielen, Entscheidung treffen, Umstieg planen
    Monat 2–6

Aufgaben

  • Ist-Bild erstellen: aktuelle Rechtsform(en), Gesellschafterstruktur, Haftungen, Sicherheiten, Reportingpflichten
  • Zielkriterien definieren: was ist mir wichtiger – Haftungsbegrenzung, Flexibilität, Steuerlast, einfacher Aufwand?
  • Szenarien betrachten (Wachstum, Teilverkauf, Nachfolge, Krisenfall) und prüfen, wie die Rechtsform jeweils wirkt
  • Gemeinsame Session mit Steuerberatung und Rechtsanwält:in organisieren – Fokus auf Entscheidungslogik, nicht nur Paragraphen
  • Schrittfolge für Umstieg skizzieren, falls ein Wechsel sinnvoll ist (Zeitplan, Kosten, Kommunikation)
  • Regelmäßige Überprüfung (alle 3–5 Jahre) einplanen, ob die Rechtsform noch zur Realität passt