27. Februar 2025 · Enablement

Ich weiß nicht, was ich alles nicht weiß

Keine Schule und kaum eine Ausbildung bereiten wirklich auf die Selbstständigkeit vor. Viele Themen – von Finanzen über Recht, Struktur, Strategie bis hin zu persönlicher Rolle und Gesundheit – greifen ineinander. Das Gefühl: nicht faul oder dumm, sondern hilflos überfordert.

Was ist los?

Der Betrieb läuft grundsätzlich, aber im Hintergrund stehen Dutzende Fragen: Mache ich das steuerlich richtig? Wie soll die Struktur aussehen? Wie sichere ich Familie und Firma ab? Was braucht die Bank wirklich? Wie plane ich Wachstum, Rücklagen, Nachfolge? Viele Themen sind verschachtelt – jede Entscheidung berührt mehrere Bereiche gleichzeitig.

Symptome & Folgen

  • Gefühl von „Learning by Suffering“ Lernen passiert erst im Problemfall, nicht im Vorfeld
  • Unklar, wo man beginnen soll Aufschub von wichtigen Entscheidungen, bis Druck entsteht
  • Verstreute Infos von Steuerberatung, Bank, Bekannten, Internet Kein konsistentes Bild, widersprüchliche Empfehlungen
  • Selbstbild: weder faul noch unfähig, aber dauerhaft „hinterher“ Erschöpfung, Selbstzweifel
  • Externe Sicht fehlt oder ist zu punktuell Blinde Flecken bei Struktur, Risiko und Chancen
  • Kein Überblick über „die Landkarte“ der Unternehmer:innen-Themen Schwierig, Prioritäten zu setzen und Schritte zu planen

Warum passiert das?

Unternehmer:innen bewegen sich in einem komplexen Feld: Recht, Steuern, Finanzen, Märkte, Menschen, Technik, persönliche Rolle. Formale Ausbildung deckt meist nur einen Ausschnitt ab. Die erste Phase der Selbstständigkeit ist daher oft von „Ausprobieren“ und Reaktion geprägt. Ohne strukturierte Landkarte und ohne neutrale externe Sicht entsteht das Gefühl, immer nur einzelne Probleme zu lösen, aber nie das System zu verstehen.

Typische Ursachen

  • Bildungslücke: Unternehmertum wird selten ganzheitlich gelehrt
  • Fragmentierte Beratung: Spezialist:innen sehen nur ihren Teilbereich
  • Tempo: Tagesgeschäft lässt wenig Raum für systematisches Lernen
  • Orientierung: Es gibt viele Informationen, aber wenig strukturierte Einordnung

Was ist zu tun?

Der erste Schritt ist, eine „Landkarte“ zu bekommen: Welche Themenfelder gehören zur Rolle als Unternehmer:in – und wo stehe ich heute? Darauf aufbauend können Prioritäten gesetzt, Wissenslücken geplant und externe Partner bewusst eingebunden werden. Ziel ist nicht, alles selbst zu können, sondern zu wissen, was es gibt und wie man gute Entscheidungen trifft.

  1. Analyse
    Ist-Stand erheben: in welchen Bereichen fühle ich mich sicher, wo nicht?
    Woche 1
  2. Plan
    Themenlandkarte und Lernprioritäten festlegen, passende Sparringspartner identifizieren
    Woche 2–3
  3. Umsetzung
    Gezielte Lern- und Entscheidungsrunden aufsetzen, statt nur auf Probleme zu reagieren
    Woche 4–12

Aufgaben

  • Selbst-Check über zentrale Felder machen (Struktur, Finanzen, Prozesse, Risiko, Partnerschaften, persönliche Rolle)
  • 3–5 Themenbereiche definieren, in denen Klarheit und Wissen am dringendsten fehlen
  • Externe Sparringspartner:innen suchen, die systematisch denken und nicht nur Produkte verkaufen
  • Lern- und Entscheidungsformate festlegen (z.B. monatliche Sessions mit Fokus auf ein Themenfeld)
  • Notizen & Entscheidungen strukturiert festhalten (z.B. „Unternehmer:in-Playbook“)
  • Regelmäßige Standortbestimmung 1–2x pro Jahr einplanen: Was habe ich gelernt, was kommt als Nächstes?