24. Februar 2025 · Finanzen

Einkommensteuer & Sozialabgaben: Jeder Quartalstermin ein Schlag

Einkommen und Gewinn sind eigentlich zufriedenstellend, trotzdem fühlt sich jede Vorauszahlung für Einkommensteuer und Sozialversicherung an wie ein Schlag. Die Beträge kommen quartalsweise geballt, Liquiditäts- und Gehaltsplanung sind eher Gefühl als System, private Abgaben werden aus dem laufenden Konto bezahlt.

Was ist los?

Das Geschäft läuft, Aufträge und Umsätze passen. Trotzdem entsteht rund um jeden Steuer- und SV-Termin Stress. Die Höhe der Zahlungen überrascht, Rücklagen sind zu niedrig oder gar nicht vorhanden, und private Ausgaben konkurrieren direkt mit betrieblicher Liquidität. Unternehmer:innen erleben Steuern als „Strafe fürs Erfolgreichsein“ statt als planbare Größe im Finanzsystem.

Symptome & Folgen

  • Vierteljährliche Vorauszahlungen überraschen in der Höhe Liquiditätsspitzen, Konto immer wieder kurz vor dem Limit
  • Keine laufende Hochrechnung von Einkommensteuer und SV „Blindflug“ bis zum Bescheid, starke Schwankungen im Sicherheitsgefühl
  • Private Lebenshaltung & Entnahmen nicht systematisch geplant Unternehmer:in zahlt sich „was übrig bleibt“ – statt eines verlässlichen Unternehmergehalts
  • Keine monatliche Rücklage auf ein eigenes Steuerkonto Steuerzahlungen müssen ad hoc aus dem Betrieb finanziert werden
  • Trennung zwischen Firma und Privat unscharf Mischverkehr, unklare Steuerquote, schwer nachvollziehbare Geldflüsse
  • Steuerlast wird erst beim Bescheid oder Vorauszahlungsbescheid sichtbar Gefühl von Kontrollverlust, Demotivation bei weiterem Wachstum

Warum passiert das?

Die Steuer- und Sozialabgaben werden rückblickend betrachtet, nicht vorausschauend geplant. Der Fokus liegt auf Umsatz, Gewinn und Projekten – weniger auf dem Nettoeffekt im privaten Bereich und auf der Liquidität über das Jahr. Steuerberatung liefert Abschlüsse und Bescheide, aber oft kein laufendes, verständliches Bild der künftigen Zahlungen. Private Finanzplanung und betriebliche Steuerplanung sind nicht miteinander verdrahtet.

Typische Ursachen

  • Organisation: Steuer- und Privatfinanzen werden nicht als eigener Steuerungsbereich gesehen, es gibt keine klare Verantwortlichkeit
  • Prozess: Keine monatliche Steuerhochrechnung, keine fixe Sparquote, keine Routine für Rücklagenbildung
  • Daten & Tools: Gewinn, Entnahmen und Steuerlast nicht in einem einfachen Modell verbunden – Excel-Sheets oder gar kein gemeinsames Bild
  • Zusammenarbeit: Steuerberatung stark rückblickend organisiert, wenig Szenarien und Vorausplanung über das laufende Jahr

Was ist zu tun?

Steuern und Sozialabgaben müssen aus der "Überraschungszone" in einen klaren Plan geholt werden. Zentral ist ein einfaches Modell aus Steuerquote, Unternehmergehalt, Entnahmen und Rücklagen – plus ein separates Steuerkonto. Dazu gehört ein gemeinsamer Blick mit der Steuerberatung auf Szenarien und ein kurzer monatlicher Review.

  1. Analyse
    Steuerbescheide und Vorauszahlungen der letzten Jahre auswerten, Entnahmen und Lebenshaltung erfassen
    Woche 1
  2. Plan
    Ziel-Nettoeinkommen, Steuerquote und Sparquote festlegen, Struktur für Unternehmergehalt & Ausschüttungen definieren
    Woche 2–3
  3. Umsetzung
    Daueraufträge auf Steuerkonto und Privatkonto einrichten, monatliche Vorschau und Review-Rhythmus etablieren
    Woche 4–8

Aufgaben

  • Steuer- & Abgaben-Kalender erstellen (EK, SV, USt/KöSt, Vorauszahlungen) und in die Liquiditätsplanung integrieren
  • Historische Steuerbescheide durchsehen und eine realistische Steuerquote ableiten
  • Separates Steuerkonto einrichten und monatliche Rücklagen per Dauerauftrag buchen
  • Unternehmergehalt definieren (fixer Sockel) und variable Ausschüttungen klar regeln
  • Einfaches Liquiditäts- & Entnahmesheet aufsetzen (Plan/IST, privat und betrieblich) und monatlich aktualisieren
  • Regelmäßige Planungsrunden mit der Steuerberatung vereinbaren (mind. 1–2 Szenario-Checks pro Jahr)