11. Januar 2025 · Finanzen

Versicherungen & „Burggräben“: Ist wirklich alles abgesichert?

Über die Jahre wurden verschiedenste Versicherungen abgeschlossen – für Betrieb, Privatleben und Familie. Doch das Gesamtbild fehlt: Was ist doppelt, was fehlt, welche Risiken sind existenziell? Und wie sehen echte „Burggräben“ für Unternehmen, Familie und Vermögen aus?

Was ist los?

Ordner und E-Mail-Postfächer sind voll mit Polizzen, Angeboten und Anpassungen. Verschiedene Berater:innen haben im Laufe der Jahre Produkte platziert, oft anlassbezogen (Kredit, Gebäude, Mitarbeitende). Es gibt Versicherungen – aber niemand kann in einem Satz erklären, welches Risiko wie abgedeckt ist und wo kritische Lücken sind. Vorsorge, Haftungsthemen, Schlüsselpersonen und rechtliche „Burggräben“ sind nicht systematisch gedacht.

Symptome & Folgen

  • Viele Polizzen, aber kein Überblick Unsicherheit, ob im Ernstfall tatsächlich Leistung kommt
  • Doppel- und Überversicherungen in manchen Bereichen Unnötige Kosten ohne zusätzlichen Schutz
  • Kritische Risiken (Ausfall von Schlüsselpersonen, Haftungsfälle, Rechtsstreitigkeiten) nicht sauber adressiert Existenzielle Risiken für Unternehmen und Familie
  • Keine oder unzureichende Rücklagen neben Versicherungen Abhängigkeit von Leistungsentscheidungen, geringe Resilienz bei Streitfällen
  • Unternehmens- und Familienstruktur nicht auf Schutz ausgerichtet Vermögen nicht klar getrennt, angreifbare Strukturen
  • Entscheidungen wurden eher produkt- als strategiebasiert getroffen Gefühl, „irgendwie versichert“ statt gezielt geschützt zu sein

Warum passiert das?

Versicherungen werden oft anlässlich eines konkreten Bedarfs abgeschlossen – Kredit, neue Maschine, neue Immobilie, neue Mitarbeitende. Selten gibt es eine eigenständige Risiko-Strategie, die festlegt, was wirklich existenziell ist und wie diese Risiken abgefedert werden sollen. Viele Unternehmer:innen empfinden das Thema als komplex und unangenehm; Entscheidungen werden delegiert oder verschoben. Dazu kommt, dass „Burggräben“ – also rechtliche, finanzielle und organisatorische Schutzmechanismen – selten im Zusammenhang betrachtet werden.

Typische Ursachen

  • Organisation: Kein klarer Verantwortlicher für Risikomanagement, Entscheidungen historisch gewachsen
  • Transparenz: Polizzen und Verträge nicht geordnet, keine zentrale Übersicht über Risiken und Deckungen
  • Strategie: Keine definierte Risiko-Priorisierung (was darf nie passieren, was wäre verkraftbar?)
  • Struktur: Unternehmens- und Vermögensstruktur nicht konsequent auf Haftungsschutz und Trennung ausgelegt

Was ist zu tun?

Zuerst braucht es ein klares Bild der Risiken – und dann einen gezielten Schutzmix aus Versicherungen, Rücklagen und Strukturen. Dazu gehören eine einfache Risiko-Matrix, eine geordnete Übersicht der bestehenden Polizzen und das bewusste Design von „Burggräben“ für Unternehmen, Familie und Vermögen.

  1. Analyse
    Risiko-Inventur (Personen, Betrieb, Vermögen), Polizzen und Verträge einsammeln und grob clustern
    Woche 1–2
  2. Plan
    Risiko-Matrix erstellen, Zielbild für Absicherung und „Burggräben“ definieren
    Woche 3–4
  3. Umsetzung
    Verträge bereinigen, Lücken schließen, Rücklagen und Strukturen aufsetzen, jährlichen Check etablieren
    Woche 5–10

Aufgaben

  • Risiko-Landkarte erstellen: Welche Risiken existieren in den Bereichen Gesundheit, Haftung, Betrieb, Rechtsstreit, Ausfall von Schlüsselpersonen?
  • Polizzen-Sammlung anlegen: alle bestehenden Verträge erfassen (Art, Summe, Laufzeit, Selbstbehalt, Ansprechpartner)
  • Doppel- & Lücken-Check durchführen: Wo gibt es Überschneidungen, wo gefährliche Lücken?
  • Rücklagenstrategie definieren: wie viel „Bargeld-Burggraben“ wird für Notfälle vorgehalten?
  • Strukturthemen prüfen: Trennung von Privat- und Betriebsvermögen, Gesellschaftervereinbarungen, Nachfolge-Regelungen
  • Jährlicher Risiko-Review fix im Kalender: gemeinsam mit passenden Partner:innen (Versicherung, Steuer, Recht)